
"Jagd-Circulir-Ofen" um 1875
St. Wilhelmshütte/Warstein
Auffällig filigraner, mit reichlich „Jägerlatein“ ausgestatteter, phantastisch erhaltener Zirkulierofen in klassischer Bauweise aus der Hochzeit des künstlerischen Ofengusses. Streng rechteckiger, vierteiliger Fußsockel mit durchbrochenen Zierblenden im „Aststil“, aufliegender Brennraumbodenplatte und versenkter, primärluftführender Aschenkasteneinrichtung samt Tafelrost.
Ebenfalls vierteiliger waagerechter Brennraum mit seitlicher, sekundärluftführender Feuerungstüre. S-förmig angelegte, zugverlängernde Senkrecht- und Waagerechtschächte mit flächendeckender Rautenornamentik zwischen separat gegossenen Übergangsrahmen.
Neben Szenen aus der Rotwildjagd im Brennkammerbereich sowie medaillongefasster Bildgebung von Jagdhund, Keiler und Hirschen in den durchbrochenen, jagdhorngefassten Etagentüren kommt als „krönender Abschluss“ auch noch die Eichhörnchenfamilie zu Ehren. Das Kürzel „jo“ steht für Jagdofen.
Die in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts von der St. Wilhelmshütte gegossenen „Circulir-Öfen“ gehören zu den auffälligsten Belegstücken dieses Ofentyps. Neben dem „Jagd-Circulir-Ofen“ bzw. dem „Preciosa-Ofen“ wurde zeitgleich ein Dutzend weiterer klassischer Etagenöfen mit unterschiedlichen Themen angeboten, die zum Teil bereits auch als „Füll-Regulir-Öfen“ zu haben waren. Über die Motivvorlagen und den Modelleur dieser Öfen ist nur wenig bekannt. Vgl. Ofen Nr. 194. Ein umfangreicher Fuhrpark sorgte für Auslieferungen bis nach Ost- und Westpreussen.