
"Chemnitzer- oder Aufsatzofen" um 1875
Burger Eisenwerke/Herborn
Zeittypischer „Holzsparofen“ in auffälliger dreistöckiger Formgebung, mit S-förmigem Abzugssystem. Auf hohem, leicht geschwungenem, blattrankenverziertem Fußwerk querrechteckiger, schmalseitig wahlweise von links oder rechts zu befeuernder „Hauswirtschaftsofen“ mit einer Koch- und zwei Warmhalteebenen.
Große, verschließbare, siebenteilige Kochkammer mit direkt über dem Brennraum liegendem, reversiblem Einlageboden sowie integriertem Dunstabzug zwischen leicht zurückspringendem Übergangsrahmen und schwerer, randgefasster Bodenplatte mit separat gegossenem, trapezförmigem Brennraum samt Tafelrost und anhängendem Aschenkastenbehältnis. Konstruktionsgleiche, leicht zurückversetzte, übereinanderliegende Warmhaltekammern.
Sichtseitig flächendeckende, streng geometrische, teils perlstabgefasste Flachreliefs mit Mäandermuster. Verschließbare Flügeltüren mit Messinggriffen, im oberen Stockwerk durchbrochen gearbeitet und wahlweise auch mit einem Porträtmedaillon von „Kaiser Wilhelm I.“ zu beauftragen. Ausladend geschwungener Abschlussrahmen mit großem, rahmenangepasstem Einlageboden und vierteiliger Zierkrone.
Die ersten Wirtschaftsaufsatzöfen finden im Musterbuch über Gusswaren aus dem Jahre 1864 Erwähnung, aber auch noch nach 1910. Größere Aufmerksamkeit erreichte das 1727 als „Eisenschmelzhütte“ gegründete „Burger Eisenwerk“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinen Dauerbrandöfen amerikanischen wie irischen Systems, namentlich den Serien „Juno“ und „Cora“.