Begriffserklärung

Der Wirtschaftsaufsatzofen

Der unter dem Sammelbegriff "Wirtschaftsaufsatzofen" - in seiner nur doppelstöckigen Variante als "Wirtschaftsstutzofen - im mitteldeutschen Sprachraum beheimatete Ofentyp erklärt sich bereits durch seine Originalbezeichnung: Ein in seiner Bauweise sehr zweckbezogener, für den periodischen Betrieb geeigneter Multifunktionsofen. Die mehrflächige Nutzung unterschiedlicher Temperaturebenen durch S-förmig angeordnete Rauchgaszüge bei Verwendung kleinster Brennstoffmengen sowie zusätzlich seitlich oder rückwandig angebrachte Wasserbehälter unterstreichen seine Sonderstellung zwischen Ofen und Herd. Der auf hohen Beinen zum Tragen kommende Aufbau sorgte nebenbei auch noch für reichlich "Fußwärme". Die erste Etage beinhaltet eine großräumig angelegte Kochkammer mit integriertem "Dunstabzug" über keramisch ausgestattetem Brennraum mit versenkter Flachfeuerung samt Aschenkasten. Ein bis drei darüberliegende, sich verjüngende Warmhaltekammern ermöglichten zusätzliches "Wirtschaften" - dies bei zum Teil geschlossenen Flügeltüren. Dabei trug die sich nach oben hin verjüngende Rauchgasführung dem sinkenden Temperaturverlauf Rechnung.

Die technikgeschichtlich-funktionale Betrachtungsweise steht bei diesem Ofentypus im Vordergrund. Kaum jemand hat sich bei diesem, landläufig auch als "Bauernofen" bezeichneten Multifunktionsofen um allzu künstlerische Ausgestaltung Gedanken gemacht, doch findet er sich stilistisch sowohl in der Neorenaissance als auch im Jugendstil und Art deco wieder. Zeitlich ist er also zwischen dem letzten Drittel des 19. und dem 1. Drittel des 20. Jahrhunderts anzusiedeln.

Der in großen Stückzahlen hergestellte Ofentyp kann, entwicklungsgeschichtlich gesehen, durchaus als ein Endprodukt der bereits im 17. Jahrhundert geforderten "Holzsparöfen" betrachtet werden, war doch die rentable Herstellung kleinteiliger, passgenauer Ofenteile für derart aufwändig konstruierte Geräte erst mit der Einführung des Kastengusses ab Mitte des 19. Jahrhunderts möglich.

Immer wieder erstaunlich ist, mit welch geringen Mengen an "Kleinholz" erneut in Betrieb genommene, jedoch keramisch auch im gesamten Zugbereich vollausgemauerte Öfen dieser Bauart heute nach wie vor zur zusätzlichen Raumerwärmung beitragen können.

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