Begriffserklärung

Der Platten- oder Kastenofen

Zu den ursprünglichsten Ofenformen gusseiserner Heizsysteme gehört der mehrteilige Platten- oder Kastenofen, mit oder ohne keramischen bzw. metallischen Zugverlängerer. Er war ein gewaltiger (Fort)Schritt, um dem mit reichlich Nachteilen verbundenen offenen Feuer zu entkommen, war man doch von jeher vor allem in kälteren Regionen auf der Suche, effizientere Heiz- oder Kochmöglichkeiten zu konstruieren.

Die in der Regel aus mindestens fünf Platten zunächst im Herd-, später im Kastengussverfahren hergestellte Urform des Eisenofens findet sich - regional unterschiedlich - u.a. auch in den synonymen Bezeichnungen Kastenofen, Bilegger oder Büschelesofen wieder. So wurde in dem meist von der Küche oder Esse aus zu befeuernden "Bilegger" das Brennmaterial "beigelegt", im "Büschelesofen" Reisig oder Astholz in "gebündelter" Form zum Abbrand gebracht. Die aus einzelnen Gussplatten zu einem "Kasten" zusammengesetzten geschlossenen Brennräume mussten in erster Linie in der Lage sein, die in kurzer Zeit durch das Feuer- bzw. Rauchgasvolumen entstandene Wärme direkt oder mit Verzögerung durch zugverlängernde Aufsätze nachhaltig an den jeweiligen Raum abzugeben. Dabei wurden die bis zu mehreren Zentnern schweren Öfen in erster Linie mit unterschiedlicher "Biomasse" - sprich Unkraut, Heckenschnitt, Stroh oder Kuhmist -, überwiegend jedoch mit Reisig oder Bruchholz befeuert. Die ortsnahe Verfügbarkeit vorhandener Waldbestände sicherte die beständige Nutzung einer in der Menschheitsgeschichte nach wie vor lebensnotwendigen Ressource - der Biomasse Holz - auf kurzem Wege, "vor der Haustür". Der Anschluss an einen Schornstein war noch nicht selbstverständlich.

Die künstlerische Ausgestaltung der erst vor Ort zusammengebauten einzelnen Ofenteile spielte von jeher eine zentrale Rolle. Dabei wurden den Seitenplatten bzw. der sog. "Stirnplatte" - mitunter auch mit personenbezogenen Angaben wie Namen und Jahreszahl geschmückt, die eine historische Zuordnung erleichtern - erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Die Motivgebung erfolgte nicht selten unter Einbeziehung namhafter bildgebender Künstler und unter Verwendung gestalterisch hochwertiger Druckvorlagen der jeweiligen Zeit. Interessante Themenkreise aus Bibel, Historie oder Alltagsleben schmückten, man höre und staune, sogar noch elektrifizierte Plattenöfen aus den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts.

Klassische Plattenöfen wurden in Süddeutschland noch bis in die Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts hergestellt und vertrieben. Auch so mancher neuzeitliche "Heizkamin" erinnert formal an längst verflossene Zeiten.

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die Entwicklungsgeschichte des Plattenofens eher unter kunstgeschichtlichen Gesichtspunkten bearbeitet, er aber nur selten in seiner Doppelfunktion als "Energieträger" gesehen wurde: Wärmespender und wiederverwertbarer Rohstoff zugleich. So gibt es zwar zahllose Ofenplatten, ganze "Ofenplattensammlungen" und reichlich Literatur dazu; der Ofentypus selbst aber wird aus technikgeschichtlicher Sicht meist nur unvollständig wiedergegeben. Auch ist die Anzahl vollständig erhaltener Öfen, die deren Funktionsweise aufzeigen und zugleich veranschaulichen, was "Ofenplatten" eigentlich sind und woher sie stammen, eher überschaubar.

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